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Wie wird der Krieg in Afghanistan enden?
Augustdorf, 01.Juli 2010
Viel zu lange wurde uns Wahrheit über den Einsatz in Afghanistan vorenthalten!
Irgendwann, vielleicht im nächsten Jahr schon, wird der Abzug aus Afghanistan beginnen, nach einem bitteren, blutigen Jahrzehnt des Krieges.
Schon jetzt ist es das längste und verlustreichste "Ereignis", was wir lange nicht "Krieg" nennen durften, in der Geschichte unserer Bundesrepublik.
43 deutsche Soldaten, 43 unserer Kameraden kehrten im Sarg zurück nach Hause, über 150 wurden bis heute verletzt.
Wer Soldaten durch Afghanistan begleitet könnte, müsste irgendwann wohl auch an die Bilder des Vietnamkrieges denken.
(Archivbild)
Junge Männer, die in lang gezogenen Marschkolonnen durch eine fremd wirkende Landschaft patrouillieren.
Die mit ihren Stiefeln im Schlamm der Felder einsinken.
Die müden, gealterten Gesichter.
Die sandsackbewehrten Außenposten, kleine Hügel mit militärischen Namen, Höhe 431, Höhe 432, von Schützengräben durchzogen.
Ein paar verdreckte, schwer bewaffnete Jungs, die von da oben den Feind beobachten sollen - und nie zeigt sich dieser Feind.
Hubschrauber, die im Tiefflug kistenweise neue Munition bringen, Staub aufwirbeln, das spärliche Gras mit ihren Rotoren niederdrücken.
Soldaten, die mit freiem Oberkörper in der Sonne sitzen, sich die Zähne putzen, ein Gewehr reinigen, ihre Stiefel trocknen, sich rasieren.
Einst ausgesandt, um den Kommunismus zu stoppen.
Heute gesandt, um den Terrorismus zu stoppen.
Die Bilder ähneln sich sehr, die Geschichten sind verdammt ähnlich.
(Archivbild)
"Wenn der Dominostein Afghanistan fällt, würden weitere folgen", sagt Verteidigungsminister Guttenberg.
"Wir sahen Vietnam als Dominostein, der weitere Steine anstoßen würde, wenn er fiele", sagte Robert McNamara, von 1961 bis 1968 Verteidigungsminister der USA.
WIE WIRD ES ENDEN IN AFGHANISTAN?
Dieser Krieg wird Deutschland verändern, er hat Deutschland ja jetzt schon verändert.
Im Verteidigungsministerium sitzt mit Karl-Theodor zu Guttenberg inzwischen ein junger Minister, der kaum älter ist als die Gefallenen, an deren Särgen er sprach, und hoffentlich nie wieder sprechen muss.
Aber das wird wohl nur ein frommer Wunsch bleiben.
Die Worte seiner Trauerreden verliehen einem neuen Gefühl Ausdruck, einer gesellschaftlichen Anteilnahme am Schicksal der Kameraden und ihrer Familien, wie es sie in den letzten sechzig Jahren nicht gegeben hat.
Wohl Millionen Deutsche sitzen vor dem Fernseher, wenn die Trauergottesdienste übertragen werden.
In den Kirchen versammeln sich nicht mehr ausschließlich Soldaten, unsere Kameraden, und höhere Beamte des Verteidigungsministeriums, sondern endlich auch die Spitzen der deutschen Politik.
Die Kanzlerin, der Außenminister, Ministerpräsidenten und Oppositionsführer.
Zulange hatte es gedauert, bis von den Toten Kenntnis genommen wurde.
Zweimal innerhalb von nur zwei Wochen sprach Guttenberg im April 2010 an den Särgen unserer Kameraden, deutscher Soldaten, einmal im Süden, im bayrischen Ingolstadt.
Beide Male rief er den Toten zu: "Ruhet in Frieden, Soldaten!"
Diese Worte könnten zum Schlüsselsatz seiner Amtszeit werden - und zum Symbol eines neuen Umgangs mit einem Thema, das vorbelastet ist wie kein Zweites in der Politik:
Deutschland ist im Krieg.
"Ruhet in Frieden, Soldaten!" könnte für den Neubeginn einer Beziehung zwischen unserer Gesellschaft und unseren Kameraden, den Bundeswehrsoldaten stehen.
Ebenso gut könnte sich dieser Satz in den kommenden Jahren zum geflügelten Wort für einen immer weiter eskalierenden Krieg auswachsen.
Am Ende des Krieges könnte dieser Satz als Überschrift über der Geschichte eines gewaltigen, lohnenden Kraftaktes stehen.
Oder aber über einer Geschichte vom sinnlosen Sterben unserer Kameraden.
Niemand kann heute vorhersagen, wie der Einsatz in Afghanistan sich entwickeln wird.
Sicher aber ist, dass dieser Satz zu der Geschichte gehören wird, genauso wie der Minister, der ihn geprägt hat.
Auch die Minister Franz Josef Jung und Peter Struck haben an den Särgen von Soldaten gesprochen. Aber man hatte nie das Gefühl, dass sie die Verantwortung für den Tod dieser Männer wirklich auf sich laden würden.
"Ruhet in Frieden, Soldaten!" - dieser Satz wird immer wieder zurückkehren, genau wie unsere toten Kameraden immer wieder zurückkehren werden.
Wir erinnern an sie alle, auf unserer Webseite:
In fünf Jahren, in zehn Jahren, noch in Jahrzehnten werden sie alle, die die deutsche Außenpolitik prägten, sich wiederholt die Frage stellen müssen:
War es das wirklich wert?
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg weiß, dass ein abrupter Ausstieg Deutschlands aus der Afghanistan-Mission, ein schneller Abzug, politisch nicht möglich ist.
Es geht vor allem auch um die Bündnistreue gegenüber den USA.
Wohl auch deshalb versucht er, den deutschen Soldaten im Eiltempo bessere Ausrüstung, schwerere Waffen und vor allem mehr gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen.
Wir unterstützen dieses Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung für unsere Kameraden, die aktiven Soldaten, mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
Der Minister will die Einsatzausbildung zusammen mit Generalinspekteur Volker Wieker (dem ehemaligen Bataillonskommandeur des Panzerartilleriebataillon 215 aus Augustdorf - 1993 bis 1996) so schnell wie möglich an den modernen Konzepten der "Counterinsurgency", der Aufstandsbekämpfung, ausrichten.
Doch viel mehr kann er für unsere Kameraden, die diesen Einsatz zu Ende bringen müssen, kaum tun.
Samstag, 24. April 2010. Im Liebfrauenmünster in Ingolstadt standen aufgebahrt die Särge der vier Männer, die am 15. April im Gefecht gefallen waren.
Der Bundesminister für Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg blickt in die Gesichter der Familien, der Angehörigen.
Er sagt, seine Worte könnten "nicht wirklich trösten".
Dennoch, sagt Guttenberg in Richtung der Angehörigen, "müssen sie gefunden werden, da ich durch mein Amt persönlich, als Verteidigungsminister, als Regierungsmitglied und Parlamentarier Verantwortung für Ihre Trauer trage."
Man kann das durchaus als Wink an all die anderen Abgeordneten des Bundestags, die dem Einsatz zugestimmt haben, verstehen.
Von ihnen hat sich in den acht Jahren des Krieges nicht ein einziger so deutlich dazu bekannt, Verantwortung für den Tod von Soldaten, für das Leid ihrer Familien zu tragen.
Und Guttenberg geht noch weiter: "In politischer Verantwortung muss man Sie, verehrte Angehörige, auch um Verzeihung zu bitten."
Fast scheint es an diesem Tag so, als wolle Guttenberg die Deutschen dazu zwingen, sich endlich mit der Frage zu beschäftigen, was für ein Land sie in diesem Krieg sein wollen.
"Die Frage nach dem Sinn bleibt zurück", sagt er. "Die Antwort hat auch mit uns selbst zu tun - einer Gesellschaft, in der auch bequemes Beiseitestehen verbreitet ist, einer Gesellschaft, in der für viele Worte wie ‚Dienen', ‚Dienst' oder ‚Tapferkeit' als überkommene, altmodische Begriffe gelten. Was müsste es für ein Gefühl sein, unter steter Lebensgefahr einem Land zu dienen und dienen zu wollen, das diesen Dienst allenfalls freundlich-distanziert zur Kenntnis nimmt."
Helfen Sie uns, nehmen Sie zu uns Kontakt auf.
info@artillerie-gesellschaft-augustorf.de
Tragen Sie zum Zeichen, das auch Sie sich solidarisch erklären, die "Gelbe-Schleife-der-Solidarität" mit unseren Kameraden, den Töchtern und Söhnen Deutschlands, die im Einsatz stehen.
(Archivbild)
Wir sind in Gedanken bei Euch allen, Kameraden!
Schreibt uns, auch annonym.
webredaktion@artillerie-gesellschaft-augustdorf.de
Wir versprechen Euch, wir treten für Euch mit dieser Webseite in die Öffentlichkeit!
(Der hier wiedergegebene Text kann unter Umständen auch eine Einzelmeinung darstellen!)
Text: Hans-Georg Krause
Bilder: dpa
V.i.S.d.D.P.R.
Hans-Georg Krause
Vorsitzender & Vorstandssprecher
Artillerie-Gesellschaft-Augustdorf e.V.